Ein Generationenwechsel nach jahrzehntelangem Engagement
1982 hatte Jürgen Redert im Werk in Holzhausen seine Ausbildung zum Werkzeugmacher begonnen, wurde bald in der Jugendvertretung aktiv, später Vertrauenskörperleiter und 1994 zum Betriebsrat gewählt, in dem er seit 1996 das Amt des Vorsitzenden übernahm. Zusammen bildete er über Jahre ein starkes Team mit seinem Kollegen Thomas Gebenroth, bisheriger stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Eaton im Kompetenzzentrum Bäderstraße (Holzhausen und Dausenau). Seit 1979 im Betrieb in Dausenau, wurde dieser ebenfalls 1994 dort Betriebsrat, 2002 stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und 2005 Betriebsratsvorsitzender. Nach der Zusammenlegung der beiden Betriebe im Jahr 2007 führten sie gemeinsam den Betriebsrat im Kompetenzzentrum Bäderstraße (Holzhausen und Dausenau) an.
Jürgen Redert und Thomas Gebenroth können darüber berichten welchen Wandel die Industrie und damit auch der Standort im Laufe der letzten Jahrzehnte vollzogen. Damit einhergehend hat sich auch die Arbeit des Betriebsrats verändert. „Mit Moeller als Familienunternehmen hatten die Beschäftigten in den 1980er und 1990er Jahren ein sicheres Arbeitsumfeld.“ berichtet Jürgen Redert. „In Holzhausen wurde die Montage von Leistungsschaltern an Einzelarbeitsplätzen in Handmontage durchgeführt – überwiegend von Frauen in Teilzeit ohne Schichtarbeit. Betriebsratssitzungen fanden nur alle drei Wochen statt, weil es nicht so viele Themen gab. Auch der Organisationsgrad in der IG Metall war nicht so hoch wie heute.“ Ähnliches galt für Dausenau. „Am Anfang als Betriebsratsvorsitzender des Standortes Dausenau, mit rund 240 Mitarbeitern, war alles familiär.“ so Thomas Gebenroth, damals Betriebsratsvorsitzender bei Moeller in Dausenau. „Jeder kannte jeden und die Themen waren auf den Standort bezogen und meist positiver Natur.“
Strukturwandel, Automatisierung und veränderte Betriebsratsarbeit
Mit dem Verkauf von Moeller an einen Finanzinverstor im Jahr 2003 habe sich das schlagartig geändert. 2006 verhinderte der Betriebsrat mit der Belegschaft im Rücken und der IG Metall an der Seite die Schließung des Werks in Dausenau und den Kahlschlag in Holzhausen. „Das war nur durch gemeinsames Handeln der Belegschaft möglich, organisiert und unterstützt durch die IG Metall“ so Jürgen Redert. „Der gewerkschaftliche Organisationsgrad stieg deutlich. Über 80 Prozent der Belegschaft organisierte sich in der IG Metall.“ Die Standorte Holzhausen und Dausenau wurden zu einem Verbund. 2008 übernahm dann der amerikanische Eaton-Konzern die Moeller GmbH. „Mit dem Übergang in ein börsendotiertes, amerikanisches Unternehmen, war von einem Tag auf den anderen alles anders.“ so Thomas Gebenroth. Zum einen sei den amerikanischen Gesellschaftern die deutsche Mitbestimmungskultur im Sinne einer Sozialpartnerschaft fremd, zum anderen werde viel über Zahlen gesteuert.
Die Betriebsratsarbeit habe sich geändert und der Betrieb. „Eine Betriebsratssitzung pro Woche reicht oft nicht mehr aus, um alles zu bewältigen.“ so Jürgen Redert. Und auch die Themen seien andere und schwieriger: „Der Erhalt der Standorte stand in den letzten zwanzig Jahren im Vordergrund. Zur Sicherung der Standorte Holzhausen und Dausenau unterstützte der Betriebsrat aktiv den Umbau der Montagen, weg von Einzelarbeitsplätzen hin zur vollautomatisierten Fertigung. Für uns war immer entscheidend, dass es Investitionen in moderne, zukunftssichre Technologie am Standort gibt. Aus der Belegschaft heraus wurde in Holzhausen beispielsweise die xStart Automatisierung, eine vollautomatisierte Anlage zur Produktion von Schützen, selbstständig entwickelt, gebaut, programmiert und in Betrieb genommen. Auch in Dausenau wird die bestehende Automatisierung ständig verbessert und weiterentwickelt. Das sichert die Standorte und die Arbeitsplätze. Dadurch verändert sich aber auch die Zusammensetzung der Belegschaft, mehr Facharbeiter weniger ungelernte Mitarbeiter. Die Gesamtzahl der Beschäftigung konnten wir dadurch aber weitgehend sichern.“ so Jürgen Redert weiter. Betriebsratsarbeit finde deshalb zunehmend auch außerhalb des Standorts statt. „Damals kam der Entschluss, sich breiter aufzustellen und in den übergeordneten Gremien mitzuarbeiten.“ ergänzt Thomas Gebenroth. „Denn die Entscheidungen für den Standort werden oft nicht mehr vor Ort, sondern in der Konzernzentrale getroffen. Die Gestaltungsmacht auch der Werkleiter vor Ort ist eingeschränkt.“
Erfolgreiche Betriebsratsarbeit im Team, mit Rückhalt von Belegschaft und IG Metall
Beiden merkt man an, wie sehr die gemeinsame erfolgreiche Arbeit zusammengeschweißt hat. „Dass ein Doppelpack mit meinem Kollegen Jürgen Redert entstanden ist, das zwanzig Jahre Bestand hat, konnte damals keiner ahnen.“ so Thomas Gebenroth. „Diese lange Zeit im Gesamtbetriebsrat, im Aufsichtsrat und im Standortbetriebsrat waren kräftezehrend, aber es hat sich im Sinne unserer Beschäftigten gelohnt.“ Der Umbau der Fertigung sei beendet. Industrie 4.0 und KI müsse jetzt in intelligente Montagelinien mit integriert werden. „Heute sind Betriebsrat und IG Metall im Kompetenzzentrum Bäderstraße vom Arbeitgeber anerkannte ‚Mitspieler‘ wenn es darum geht, den Standort und die Arbeitsplätze wettbewerbsfähig und zukunftssicher zu gestalten.“ so Jürgen Redert.
Immer mit dabei war für Jürgen Redert und Thomas Gebenroth die IG Metall: „Ohne die Unterstützung der IG Metall im Alltag vor allem in schwierigen Situationen, hätten wir vieles nicht erreichen können und die geplante Schließung des Standortes Dausenau wäre 2006 nicht verhindert worden. Das geht nur mit einer gut organisierten Belegschaft.“ so Jürgen Redert: „Wir sind IG Metall Betriebsräte – und das ist wichtig.“
Die IG Metall dankt ihrerseits Jürgen Redert und Thomas Gebenroth für ihr langjähriges und außerordentliches Engagement. „Als IG Metall sind wir nur so stark, wie Belegschaften und einzelne engagierte Beschäftigte uns machen.“ so Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz „Gewerkschaftsarbeit funktioniert nur durch Solidarität und Einsatz. Beides haben Jürgen und Thomas immer vorgelebt – im Betrieb und darüber hinaus, in einem Maß das nicht selbstverständlich ist. Beide engagieren sich in den Gremien der IG Metall in der Region aber auch bundesweit – als Vertreter im Ortsvorstand, als Mitglieder der Tarifkommission der Metall- und Elektroindustrie, als ehrenamtliche Arbeitsrichter, Referenten bei Seminaren oder auch als Delegierte der Region für den Gewerkschaftstag. Gleichzeitig sind sie in ihren Gemeinden und in der Vereinsarbeit aktiv.“ so Ali Yener: „Im Namen der IG Metall und bedanke ich mich bei Jürgen und Thomas für die langjährige kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit.“
Neue Betriebsratsspitze mit langjähriger Erfahrung
Wichtig für eine gute Betriebsratsarbeit sei darüber hinaus immer ein gutes Team und die Vernetzung gewesen. „Wir hatten immer ein äußerst aktives Gremium, in dem jede und jeder Aufgaben übernommen und sich als Mittler in die Belegschaft gesehen hat.“ so Thomas Gebenroth.
Nach mehr als vierzig Jahren im Betrieb, über dreißig Jahren Betriebsratsarbeit und zwanzig Jahren als Team an der Betriebsratsspitze sei es nun Zeit das Ruder weiterzugeben. „Die Übergabe des Betriebsratsvorsitz und deren Stellvertretung an die Kollegen Oliver Fuchs und Ariane Denninghoff war gut vorbereitet und erfolgte problemlos.“ so Jürgen Redert. „Beide werden mit dem neuen Betriebsratsgremium die erfolgreiche Betriebsratsarbeit gemeinsam mit der IG Metall fortsetzen.“
In die Fußstapfen von Jürgen Redert und Thomas Gebenroth treten jetzt Oliver Fuchs, neuer Betriebsratsvorsitzender bei Eaton in Holzhausen und Dausenau, und Ariane Denninghoff, neue stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Beide sind ebenfalls bereits seit ihrer Ausbildung bei Eaton. Oliver Fuchs, 37 Jahre, begann seine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker 2009, wurde bereits ein Jahr später in die Jugendvertretung und 2022 in den Betriebsrat gewählt. Ariane Denninghoff, 45 Jahre, absolvierte ab 1997 ihre Ausbildung zur Energieanlagenelektronikerin Fachrichtung Betriebstechnik und war ebenfalls bereits ein Jahr später in der Jugendvertretung aktiv. 2006 wechselte sie in den Betriebsrat. Beide engagierten sich darüber hinaus in der Ortsjugend der IG Metall, als gewerkschaftliche Vertrauensleute und immer auch in der Tarifbewegung, wo sie schon 2018 den großen ganztägigen Streik im Betrieb mit organisierten oder 2024 als Redner für die Vertrauensleute die Bewegung anführten.
Beide haben lange Erfahrung und dennoch war es ein großer Schritt nun mit dem Vorsitz die Verantwortung im Betriebsrat zu übernehmen. „Die Wahlbeteiligung und das Stimmenergebnis zeigen uns, dass die Belegschaft uns den Rücken stärkt.“ so Oliver Fuchs. „Das ist für uns besonders wichtig, weil auch in den nächsten Jahren große Herausforderungen anstehen werden. Weil der Betriebsrat in wirtschaftlichen und strategischen Fragen kaum Mitbestimmungsmöglichkeiten besitzt, geht das nur mit einem großen Zusammenhalt in der Belegschaft und mit gewerkschaftlichen Mitteln.“ Beide, Oliver Fuchs und Ariane Denninghoff waren bei der Umsetzung des xStart-Projekts aktiv als Betriebsrat und in ihrem Arbeitsalltag beteiligt. „Als Betriebsrat müssen wir weiter die Transformation am Standort begleiten.“ ergänzt Ariane Denninghoff. „Das wird zu mehr Digitalisierung, Automation und zu Veränderungen an den Standorten und an den Arbeitsplätzen führen. Aber nur das wird helfen, die Arbeitsplätze an den deutschen Standorten zu sichern und auszubauen.“
Kurzinformation Eaton Kompetenzzentrum Bäderstaße (Holzhausen und Dausenau)
Angefangen als Klöckner-Moeller ist das Unternehmen in der Region einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Beschäftigten arbeiteten an der Entwicklung und Herstellung von elektrotechnischen Produkten für Schalter, Schütze und zur Automatisierung von Industrieanlagen. In Dausenau werden Befehls- und Meldegeräte/ Pushbuttons hergestellt, in Holzhausen Leistungsschalter bzw. Komponenten für Leistungsschalter und Schütze, die in elektrischen Anlagen und im Maschinenbau Verwendung finden. Ab 2007 bildeten die Standorte Holzhausen und Dausenau einen Verbund, das so genannte „Kompetenzzentrum Bäderstraße“ (KBS). Im April 2008 wurde das Unternehmen von der irischen Eaton Cooperation aufgekauft. Seit 2025 sind die deutschen Produktionsstandorte Holzhausen, Dausenau, Gladbach und Gummersbach im GONet (einem Verbund aller deutschen Produktionsstandorte) zusammengefasst. Insgesamt zählt der Verbund ca. 900 Beschäftigte, wobei ca. 500 auf Holzhausen und Dausenau entfallen.