Aus Sicht der IG Metall drohen aktuell massive Einschnitte bei zentralen Sicherungssystemen wie Rente, Gesundheit und Pflege, die zum überwiegenden Teil zu Lasten der Versicherten und damit der Beschäftigten, und hier vor allem zu Lasten von Einkommensschwächeren gingen. Die Delegierten forderten die konkreten Vorschläge der Gewerkschaften für solidarische Reformen der Sozialversicherungen zu berücksichtigen und umzusetzen.
„Wir erleben derzeit eine Debatte, in der quer durch alle Bereiche des Sozialstaats gekürzt werden soll – bei der Rente, in der Gesundheit, in der Pflege. Und das nach dem Gießkannenprinzip zulasten der Versicherten und der Beschäftigten“, erklärt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. Die Delegierten machten deutlich, dass sie sich entschieden gegen einen solchen Kurs stellen. Gleichzeitig betonen sie: Reformen sind notwendig – aber sie müssen solidarisch ausgestaltet sein.
„Wir wehren uns nicht gegen Reformen. Im Gegenteil: Gute, solidarische Reformen sind dringend nötig. Aber was derzeit diskutiert wird, sind keine Verbesserungen, sondern Kürzungen, die die Menschen verunsichern und den sozialen Zusammenhalt gefährden“, so Yener weiter. „Beschäftigten mit kleinen und mittleren Einkommen werden belastet bzw. Leistungen und Versorgung gekürzt. Hohe Einkommen und Vermögen tragen zu wenig zur Sicherung der Sozialsysteme bei.“
Die IG Metall verweist darauf, dass tragfähige Reformvorschläge längst auf dem Tisch liegen. Dazu gehören unter anderem die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung sowie strukturelle Änderungen im Gesundheitssystem. „Wir brauchen eine Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen, und ein Ende der Zwei-Klassen-Versicherung und -Versorgung im Gesundheitswesen. Das wären echte Reformen, die für mehr Gerechtigkeit sorgen – nicht weniger“, betont Yener.
„Beim Thema Rente werden Generationen gegeneinander ausgespielt.“ so Thomas Anhuth, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz und Betriebsratsvorsitzender beim Baumaschinenhersteller Bomag in Boppard. „Das ist nicht richtig. Wir sprechen beispielsweise nicht über Pensionen, die durchschnittlich über 3.000 Euro brutto betragen. Renten dagegen liegen deutlich darunter: durchschnittlich bei unter 1.400 Euro brutto für Männer, bei Frauen liegt die durchschnittliche Rente unter 1.000 Euro brutto monatlich. Über Renten, die den Lebensunterhalt nicht sichern, sprechen wir nicht. Vor einem solchen Hintergrund ist es ein Skandal, dass der Arbeitgeberpräsident Herr Dulger heute die berechtigte Erhöhung der Renten um 4,24 Prozent zum Juli diesen Jahres in Frage stellt.“ so Anhuth weiter. „Über Besserverdiener, die mehr zu einer Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben beitragen könnten, reden wir dagegen nicht. Da läuft etwas richtig schief. Da müssen wir laut werden.“
Mit Blick auf den am morgigen Tag stattfindenden Reformgipfel der Bundesregierung mit Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern richten die Delegierten klare Erwartungen an die Politik: „Die Bundesregierung steht jetzt in der Verantwortung, den Kurs zu korrigieren. Wer den Sozialstaat schwächt, gefährdet nicht nur die soziale Sicherheit der Menschen, sondern auch das Vertrauen in die Demokratie“, sagt Yener.
Sollte es bei der bisherigen Ausrichtung bleiben, kündigen die Delegierten entschlossenen Widerstand an: „Wenn die Regierung ihren Kurs nicht ändert, müssen wir uns auf einen heißen Herbst einstellen. Die Beschäftigten werden sich gegen Sozialabbau wehren – in den Betrieben und auf der Straße“, so Yener.
Die IG Metall Koblenz erinnert in diesem Zusammenhang auch an die bereits im Jahr 2025 durchgeführten Aktionen zur Rentenpolitik, mit denen die Gewerkschaft deutlich Position bezogen hatte. Abschließend rufen die Delegierten alle Beschäftigten dazu auf, sich aktiv einzubringen: „Ein starker Sozialstaat fällt nicht vom Himmel – er braucht Menschen, die ihn verteidigen. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen auf, sich einzumischen und für eine solidarische Zukunft zu kämpfen“, erklärt Yener.
Hintergrund Delegiertenversammlung
Die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz ist das oberste beschlussfassende Gremium der Geschäftsstelle. Delegierte aus den Betrieben der Region vertreten die Anliegen der Mitglieder und bestimmen die strategischen Schwerpunkte der Gewerkschaftsarbeit.