30.000 Menschen in Frankfurt setzen Zeichen gegen Sozialabbau
Das Meer aus roten Flaggen und Schildern reichte am vergangenen Samstag zwei Kilometer weit vom Willy-Brand- bis zum Opernplatz in Frankfurt. Mit einer starken Delegation von rund 300 Kolleginnen und Kollegen aus der Region Koblenz beteiligten sich die Koblenzer IG Metallerinnen und Metaller am bundesweiten Aktionstag des DGB. Bundesweit gingen nach Angaben des DGB rund 175.000 Menschen am 26. September gegen Sozialabbau und Kürzungspläne auf die Straße, davon 30.000 in Frankfurt am Main. Die Demonstrierenden machten deutlich: Die Beschäftigten sind nicht bereit, Einschnitte bei Rente, Gesundheit und Pflege hinzunehmen. Statt Kürzungen fordern die Gewerkschaften, strukturelle Reformen in den sozialen Sicherungssystemen, die sich am Ziel einer guten und effizienten Versorgung orientieren und diese solidarisch finanzieren. Ein starker Sozialstaat gewährleistet soziale Sicherheit auch in Umbruchsituationen und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie.
„Die enorme Beteiligung zeigt, dass die Menschen verstanden haben, worum es geht. Wer den Sozialstaat schwächt, gefährdet nicht nur die soziale Absicherung, sondern auch den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, erklärt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Die Kolleginnen und Kollegen aus unserer Region haben in Frankfurt ein starkes und sichtbares Zeichen gesetzt: Gegen Sozialabbau und für soziale Gerechtigkeit.“
Im Mittelpunkt der Forderungen standen der Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, die Sicherung der Altersteilzeit, eine gute Gesundheitsversorgung und Pflege für alle sowie die Überwindung der Zwei-Klassen-Medizin. Zudem fordern die Gewerkschaften, alle Erwerbstätigengruppen in die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme einzubeziehen. Diese Positionen hatte die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz bereits wenige Tage vor dem Aktionstag ausdrücklich unterstützt und zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen.
„45 Jahre Arbeit sind genug. Wer sein Berufsleben lang Beiträge gezahlt hat, muss sich auf eine sichere und würdevolle Rente verlassen können“, betont Yener. „Es kann nicht sein, dass die Kosten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen einseitig auf Beschäftigte, Rentnerinnen und Rentner sowie Pflegebedürftige abgewälzt werden.“
Die IG Metall Koblenz verweist darauf, dass echte Reformen notwendig seien, um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest aufzustellen. Dazu gehörten solidarische Finanzierungsmodelle, die Bekämpfung von Altersarmut sowie eine Gesundheitsversorgung, die sich am Bedarf der Menschen orientiert. „Leistungen, wie die Mütter- oder die Grundrente sind politisch richtig, aber es kann nicht sein, dass diese Gemeinschaftsaufgaben von den gesetzlich Rentenversicherten bezahlt werden. Rechnet man diese versicherungsfremden Leistungen gegen die Bundeszuschüsse auf, hat der Bund immer noch milliardenschwere Schulden bei den Rentenversicherten. Ähnlich sieht es auch bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aus. Allein eine solidarische Finanzierung dieser Gemeinschaftsaufgaben könnte die Systeme deutlich stabilisieren.“ erläutert Yener.
Gleichzeitig macht die Gewerkschaft deutlich, dass Sozialstaat und Industriepolitik zusammengehören. „Wir brauchen sichere Arbeitsplätze, gute Tarifverträge und einen starken Sozialstaat. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben“, so Yener. „Statt Kürzungen brauchen wir Investitionen in Industrie, Infrastruktur, Bildung und Zukunftstechnologien. Nur so lassen sich Beschäftigung sichern und Wohlstand erhalten.“
Die IG Metall Koblenz wertet den Aktionstag als deutliches Zeichen an Politik und Arbeitgeber. Die hohe Beteiligung habe gezeigt, dass die Beschäftigten bereit sind, für soziale Sicherheit und faire Reformen einzutreten. „Solidarität ist unsere größte Stärke“, sagt Yener. „Die 175.000 Menschen auf den Straßen haben deutlich gemacht: Wir werden nicht zulassen, dass auf dem Rücken der Beschäftigten gespart wird. Wir treten ein für einen starken Sozialstaat, heute und morgen.“
Proteste werden am 24. Oktober in Koblenz fortgesetzt
Für die IG Metall Koblenz ist der Aktionstag vom 26. September jedoch kein Schlusspunkt. Angesichts der weiterhin geführten Debatten über Kürzungen bei Rente, Gesundheit und Pflege kündigt die Gewerkschaft weitere Proteste an. Der DGB Region Koblenz plant für Samstag, den 24. Oktober 2026, eine weitere Aktion in Koblenz. Die Protestveranstaltung beginnt um 11.55 Uhr (fünf vor zwölf) am Koblenzer Hauptbahnhof und führt anschließend mit einer Demonstration in die Innenstadt. Ali Yener: „Wir rufen alle unsere Mitglieder sowie alle Beschäftigten, Rentnerinnen und Rentner und sozial Engagierten auf, sich am 24. Oktober an der Protestaktion in Koblenz zu beteiligen, um den Druck zu erhöhen.“