Erweiterter Ortsvorstand der IG Metall Koblenz unterstützt Tarifforderung und ruft zu weiteren Protesten gegen Sozialabbau auf
Samstag, 24. Oktober, 5 vor 12 am Koblenzer Hauptbahnhof
Die Mitglieder des erweiterten Ortsvorstands der IG Metall Koblenz haben auf ihrer Klausurtagung am 28. und 29. September die Forderungen der IG Metall für die Tarifbewegung 2026 in der Metall- und Elektroindustrie bekräftigt. Gleichzeitig üben sie deutliche Kritik an den aktuellen Debatten über Kürzungen im Sozialstaat und rufen zur Teilnahme an der Protestaktion des DGB Region Koblenz am 24. Oktober auf. Die rund 40 betrieblich Aktiven aus Unternehmen der Region diskutierten über die wirtschaftliche Lage der Industrie, die anstehende Tarifbewegung sowie die Herausforderungen für Beschäftigte in Zeiten des industriellen Wandels und des politischen Drucks auf Beschäftigtenrechte und soziale Sicherungssysteme.
Im Mittelpunkt der Beratungen stand die von den Tarifkommissionen beschlossene Forderung für die Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie. Diese sieht eine Entgelterhöhung von fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten vor. Darüber hinaus fordert die IG Metall Maßnahmen zur Sicherung von Beschäftigung und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sowie eine soziale Komponente zur Stärkung niedrigerer Entgeltgruppen.
„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren enorme Leistungen erbracht und die Betriebe durch schwierige Zeiten getragen. Deshalb ist es richtig und notwendig, dass sie an wirtschaftlichen Erfolgen beteiligt werden und ihre Einkommen spürbar steigen“, erklärt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Gleichzeitig geht es in dieser Tarifbewegung um mehr als Geld. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten Antworten auf die Frage, wie ihre Arbeitsplätze und Standorte langfristig gesichert werden können.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klausur machten deutlich, dass viele Betriebe der Region weiterhin unter einem hohen Veränderungsdruck stehen. Strukturwandel, internationale Konkurrenz und Investitionszurückhaltung führten vielerorts zu Unsicherheit. Aus Sicht der IG Metall Koblenz braucht es deshalb eine aktive Industriepolitik, die Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung, Digitalisierung und Energienetze fördert und gute Industriearbeitsplätze in Deutschland sichert.
„Standortschließungen, Personalabbau und Verlagerungen dürfen nicht zur Standardantwort auf wirtschaftliche Herausforderungen werden“, so Ali Yener. „Unternehmen müssen in Zukunftstechnologien, Qualifizierung und Beschäftigung investieren. Unser Maßstab bleibt: Menschen statt Marge.“
Neben tarifpolitischen Themen beschäftigte sich die Klausur intensiv mit den aktuellen Diskussionen über Reformen der sozialen Sicherungssysteme. Der erweiterte Ortsvorstand lehnt insbesondere Pläne zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren sowie Einschränkungen bei der Altersteilzeit ab. Ebenso kritisch werden Vorschläge bewertet, die zu einer höheren finanziellen Belastung der Versicherten oder Leistungskürzungen im Gesundheits- und Pflegebereich führen würden.
„Die Beschäftigten sollen derzeit an vielen Stellen die Zeche zahlen: bei der Rente, in der Pflege, in der Gesundheitsversorgung und gleichzeitig durch Unsicherheit um ihre Arbeitsplätze“, kritisiert Ali Yener. „Wir brauchen echte Reformen, die unseren Sozialstaat zukunftsfest machen, statt einseitiger Kürzungen. Die Messlatte muss sein, ob Altersarmut verhindert, eine gute Gesundheitsversorgung sichergestellt und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt wird.“
Die Mitglieder des erweiterten Ortsvorstands begrüßten deshalb die starke Beteiligung am bundesweiten DGB-Aktionstag am 26. September, an dem sich auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus der Region Koblenz in Frankfurt beteiligt hatten. Nach Ansicht der IG Metall Koblenz muss jetzt der Druck in den Regionen verstärkt werden. Daher unterstützt die IG Metall Koblenz die vom DGB Region Koblenz geplante Protestaktion am Samstag, 24. Oktober 2026. Die Veranstaltung beginnt um 11.55 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof und führt anschließend mit einer Demonstration in die Innenstadt.
„Die Botschaft von 175.000 Demonstrierenden bundesweit scheint in der Politik noch immer nicht deutlich genug angekommen zu sein“, erklärt Ali Yener. „Wenn die Politik das Signal der bundesweiten Aktionen am 26. September nicht versteht, werden wir lokal weiter Druck machen. Wir rufen alle unsere Mitglieder und alle Beschäftigten der Region auf, sich am 24. Oktober an der Demonstration in Koblenz zu beteiligen. Es geht um sichere Arbeitsplätze, eine starke Industrie und einen Sozialstaat, auf den sich die Menschen verlassen können.“
Hintergrund erweiterter Ortsvorstand
Der Ortsvorstand der IG Metall Koblenz setzt sich aus dem hauptamtlichen Ersten Bevollmächtigten, dem ehrenamtlichen Zweiten Bevollmächtigten sowie den gewählten Beisitzerinnen und Beisitzern aus den Betrieben der Region zusammen. Gemeinsam mit weiteren ehrenamtlich Aktiven tagt der erweiterte Ortsvorstand regelmäßig, um die politischen Leitlinien der IG Metall in der Region zu beraten und festzulegen. Dabei werden aktuelle tarif-, industrie- und gesellschaftspolitische Entwicklungen diskutiert und die strategischen Schwerpunkte der regionalen Gewerkschaftsarbeit beschlossen.