Die Delegierten der IG Metall Koblenz haben auf ihrer Delegiertenversammlung am 23. September, die von den Tarifkommissionen beschlossene Forderung für die Tarifbewegung 2026 ausdrücklich unterstützt. Die Tarifkommissionen empfehlen eine Entgelterhöhung von 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie Maßnahmen zur Sicherung von Beschäftigung und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen und eine soziale Komponente zur Stärkung unterer Entgeltgruppen. Gleichzeitig bekräftigten die Delegierten die in einer Resolution der Tarifkommissionen formulierten Erwartungen an Politik und Arbeitgeber. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sicherung industrieller Arbeitsplätze, eine aktive Industriepolitik sowie die Verteidigung eines starken Sozialstaates.
„Die Beschäftigten leisten jeden Tag ihren Beitrag für den Erfolg der Unternehmen. Es kann nicht sein, dass sie jetzt die Kosten einer Krise tragen sollen, für die sie keine Verantwortung tragen“, erklärt Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen sichere Arbeitsplätze, gute Einkommen und die Gewissheit, dass sie sich auf die sozialen Sicherungssysteme verlassen können.“
Kritik an Sozialabbauplänen
Mit großer Sorge betrachten die Delegierten die aktuellen Debatten über Einschnitte bei Rente, Gesundheit und Pflege. Insbesondere Pläne zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und des Blockmodells der Altersteilzeit stoßen auf deutliche Ablehnung. Beide Regelungen seien wichtige Instrumente, um langjährig Beschäftigten einen würdigen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen. Die Delegierten fordern stattdessen den Erhalt dieser bewährten Regelungen sowie eine armutsfeste gesetzliche Rente und wenden sich gegen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters.
Auch im Gesundheits- und Pflegebereich sehen die Delegierten die Gefahr, dass finanzielle Belastungen für Versicherte steigen, während gleichzeitig Leistungen eingeschränkt werden. Aus Sicht der IG Metall Koblenz sind reine Kürzungsmaßnahmen keine Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft. „Die Messlatte für jede Reform muss sein, ob sie Altersarmut verhindert, eine gute Gesundheitsversorgung sicherstellt und ob sie unser Land gerechter macht“, sagt Ali Yener. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen derzeit die Zeche zahlen – in der Rente, in der Pflege, in der Gesundheitsversorgung und bei den Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig fehlen entscheidende Impulse für eine aktive Industriepolitik und die Sicherung von Arbeitsplätzen.“ Die Delegierten betonen, dass längst Vorschläge für grundlegende und solidarische Strukturreformen vorliegen. Dazu gehören die Überwindung des Zwei-Klassen-Systems im Gesundheitswesen durch eine Bürgerversicherung sowie eine Weiterentwicklung der Rentenversicherung zu einem System, in das alle Erwerbstätigengruppen einzahlen. „Wir brauchen echte Reformen statt pauschaler Kürzungen“, so Ali Yener. „Wer von Solidarität spricht, darf sich nicht darauf beschränken, Belastungen einseitig Beschäftigten, Rentnerinnen und Rentnern oder Pflegebedürftigen aufzubürden. Alle Gruppen müssen ihren fairen Beitrag zur Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme leisten.“
Menschen statt Marge
Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage vieler Industrieunternehmen richten die Delegierten ihre Erwartungen auch an die Arbeitgeber. „Standortschließungen, Personalabbau und Verlagerungen dürfen nicht zur Standardantwort auf wirtschaftliche Herausforderungen werden“, erklärt Ali Yener. „Unternehmen und Management tragen Verantwortung für die Menschen, die ihren Erfolg erst möglich machen. Statt kurzfristiger Renditeinteressen brauchen wir Investitionen in Beschäftigung, Qualifizierung und Zukunftstechnologien. Unser Maßstab lautet: Menschen statt Marge.“ Die Delegierten unterstützen deshalb die Forderung nach einer aktiven Industriepolitik mit Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung, Digitalisierung und Energienetze. Öffentliche Fördermittel müssten an Tarifbindung, Mitbestimmung und die Sicherung von Arbeitsplätzen geknüpft werden.
Aufruf zum DGB-Aktionstag am 26. September
Vor diesem Hintergrund rufen die Delegierten der IG Metall Koblenz alle Beschäftigten auf, sich am Samstag, 26. September 2026, am bundesweiten Aktionstag der DGB-Gewerkschaften gegen Sozialabbau zu beteiligen. „Wer den Sozialstaat schwächt, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb dürfen wir jetzt nicht schweigend zusehen“, sagt Ali Yener. „Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen auf: Kommt am 26. September auf die Straße. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen für sichere Arbeitsplätze, eine starke Industrie, gute Tarifverträge und einen solidarischen Sozialstaat.“
Hintergrund Delegiertenversammlung
Die Delegiertenversammlung der IG Metall Koblenz ist das oberste beschlussfassende Gremium der Geschäftsstelle. Einhundert Delegierte aus den Betrieben der Region vertreten die Anliegen der Mitglieder, gestalten die Arbeit der IG Metall vor Ort und bestimmen die strategischen Schwerpunkte der regionalen Gewerkschaftsarbeit.