Jubilarehrung der IG Metall Koblenz und NGG

29. September 2026 29. September 2026


Gemeinsam stark seit Jahrzehnten

IG Metall Koblenz und NGG Mittelrhein ehren langjährige Mitglieder

 Die IG Metall Koblenz und die NGG Mittelrhein haben am Samstag ihre langjährigen Mitglieder für ihre Treue, ihr Engagement und ihre Verbundenheit mit den Gewerkschaften geehrt. Insgesamt wurden 337 Jubilare der IG Metall und 43 Jubilare der NGG für ihre 25-, 40-, 50-, 60-, 65-, 70- und 75-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet.

 In feierlichem Rahmen dankten Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, Thomas Anhuth, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, und Volker Daiss, Geschäftsführer der NGG Region Mittelrhein, den Geehrten für ihre langjährige Solidarität und ihr Vertrauen in die Gewerkschaften.

Besonders bewegende Momente waren die Ehrungen jener Kolleginnen und Kollegen, die ihrer Gewerkschaft bereits seit 60, 65, 70 oder sogar 75 Jahren angehören. Stellvertretend für diese Generation wurde Toni Schüller geehrt, der bereits im August 1951 der IG Metall beitrat und damit auf 75 Jahre Mitgliedschaft zurückblicken kann.

Schüller erlebte den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, die Einführung der Montan-Mitbestimmung, wirtschaftliche Aufschwünge und Krisen sowie zahlreiche gewerkschaftliche Auseinandersetzungen um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen.

Seine Botschaft an die jüngeren Generationen war klar: „Wackelt der Sozialstaat, wackelt auch die Demokratie.“ Mit seinen Worten griff er einen Gedanken auf, der sich durch die gesamte Jubilarehrung zog. Viele der Rechte und Sicherheiten, die Beschäftigte heute als selbstverständlich ansehen, sind das Ergebnis jahrzehntelanger gewerkschaftlicher Kämpfe und können nur erhalten werden, wenn sich auch heute Menschen gemeinsam für sie einsetzen.

In seinem Grußwort würdigte Thomas Anhuth die langjährige Verbundenheit der Jubilare mit ihren Gewerkschaften. Trotz tiefgreifender Veränderungen in der Arbeitswelt hätten sie über viele Jahrzehnte an der Überzeugung festgehalten, dass man gemeinsam mehr erreichen könne als allein.

„Gewerkschaften leben nicht von Gebäuden oder Satzungen. Sie leben von den Menschen, die sich solidarisieren und füreinander einstehen“, betonte Anhuth. Die heute Geehrten hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass Beschäftigte heute unter besseren Bedingungen arbeiten und über mehr Rechte verfügen als frühere Generationen. Gleichzeitig warnte er davor, soziale und arbeitsrechtliche Errungenschaften als selbstverständlich anzusehen. Angesichts aktueller politischer Debatten brauche es weiterhin Menschen, die bereit seien, für ihre Interessen einzutreten und Solidarität praktisch zu leben.

Mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen warb Anhuth zudem für die Teilnahme am DGB-Aktionstag am 26. September in Frankfurt. Gerade jetzt brauche es eine starke Stimme für gute Arbeit, soziale Sicherheit und einen handlungsfähigen Sozialstaat. Viele Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte würden zunehmend in Frage gestellt. Umso wichtiger sei es, gemeinsam für deren Erhalt einzutreten.

Volker Daiss knüpfte an diese Gedanken an und erinnerte daran, dass viele Rechte, die heute selbstverständlich erscheinen, hart erkämpft werden mussten. Ob Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, tarifliche Verbesserungen oder Arbeitszeitregelungen: Nichts davon sei den Beschäftigten geschenkt worden.

Besorgt zeigte sich Daiss über aktuelle Diskussionen zur Anhebung des Renteneintrittsalters und zur weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit. Gerade Beschäftigte in körperlich belastenden Berufen oder im Schichtdienst könnten nicht unbegrenzt länger arbeiten. Der Acht-Stunden-Tag sei eine der großen Errungenschaften der Arbeitnehmerbewegung und dürfe nicht leichtfertig aufgeweicht werden. Der Schutz der Gesundheit müsse Vorrang vor kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Interessen haben.

Zugleich sprach sich Daiss für eine stärkere Tarifbindung aus. Faire Arbeitsbedingungen könnten dauerhaft nur dort gesichert werden, wo sich Beschäftigte organisieren und gemeinsam handeln. Öffentliche Aufträge sollten deshalb nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. Kritisch bewertete er auch die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Weder die Beschäftigten noch die Gäste hätten davon spürbar profitiert.

Darüber hinaus warb Daiss für mehr Solidarität bei der Finanzierung des Gesundheitssystems. „Wir brauchen ein System, in dem starke Schultern mehr tragen als schwache“, erklärte er. Die Zwei-Klassen-Medizin müsse überwunden werden. Gesundheit dürfe keine Frage des Geldbeutels sein. Medizinische Versorgungszentren sollten stärker in öffentlicher Hand bleiben und nicht vorrangig gewinnorientierten Interessen folgen.

Auch die Frage nach der Gestaltung des technologischen Wandels griff Daiss auf. „Technischer Fortschritt muss den Menschen dienen und nicht allein betriebswirtschaftlichen Interessen“, betonte er. Wirtschaftlicher Fortschritt und soziale Sicherheit dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Die Frage ist, wie wir wirtschaftlichen Fortschritt und soziale Sicherheit miteinander verbinden. Die Antwort darauf lautet heute wie damals: Solidarität.“

In seiner Festrede spannte Ali Yener den Bogen von den Anfängen der Gewerkschaftsbewegung in der Region bis zu den Herausforderungen der Gegenwart. Er erinnerte an die ersten Arbeitskämpfe der Metallarbeiter im Eisenwerk Metternich und in der Sayner Hütte, an die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten, den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg sowie an die großen Auseinandersetzungen um Mitbestimmung, Arbeitszeit und Beschäftigungssicherung.

Yener erinnerte an den Kampf für die 35-Stunden-Woche, an die Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009, an die große Tarifbewegung 2018 sowie an die aktuellen Herausforderungen durch Transformation, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Immer wieder habe die Gewerkschaft gemeinsam mit den Beschäftigten bewiesen, dass Veränderungen erfolgreich gestaltet werden können, wenn Solidarität und Zusammenhalt die Grundlage bilden.

Dabei machte Yener deutlich, dass die Geschichte der Gewerkschaften immer auch eine Geschichte von Demokratie, Mitbestimmung und gesellschaftlichem Fortschritt ist.

„Fortschritt wurde niemals geschenkt. Alles, was Beschäftigte heute an Rechten, Sicherheit und Mitbestimmung haben, wurde gemeinsam erkämpft“, betonte Yener. Gerade die heutige Jubilarehrung zeige, dass hinter diesen Erfolgen Generationen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern stehen, die Verantwortung übernommen und sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben.

Yener erinnerte daran, dass die Beschäftigten in der Vergangenheit immer wieder vor großen Herausforderungen standen und diese gemeinsam bewältigt haben. Von den Arbeitsbedingungen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts über Krieg und Diktatur bis hin zu Strukturwandel und Transformation habe sich ein Gedanke durch die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung gezogen: Fortschritt entsteht durch Zusammenhalt.

„Die Gewerkschaftsbewegung ist eine demokratische Bewegung. Demokratie ist unsere DNA. Wir kämpfen nicht nur für eine starke Demokratie in der Gesellschaft, sondern auch für eine starke Demokratie in den Betrieben“, sagte Yener. Mitbestimmung und Tarifverträge seien auch heute unverzichtbare Instrumente, um die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen und den Wandel sozial zu gestalten.

Die Jubilarehrung machte deutlich, dass Solidarität, Demokratie und Mitbestimmung auch in Zeiten großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Die geehrten Mitglieder stehen stellvertretend für Generationen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, die dazu beigetragen haben, die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Menschen nachhaltig zu verbessern.

 

Insgesamt ehrte die IG Metall für ihre 75-jährige Mitgliedschaft 5 Mitglieder, für ihre 70-jährige Mitgliedschaft 4 Mitglieder, für ihre 65-jährige 9, für ihre 60-jährige 14, für ihre 50-jährige Mitgliedschaft 66, für ihre 40-jährige 92 und für ihre 25-jährige Mitgliedschaft 147 Kolleginnen und Kollegen. Die NGG ehrte für 65 Jahre Treue 1 Mitglied und für 60 Jahre Treue 1 Mitglied. Für 50 Jahre Treue wurden 5 Mitglieder, für 40 Jahre 7 und für ihre 25-jährige Mitgliedschaft 29 Kolleginnen und Kollegen geehrt.