Warnstreikwelle erreicht Koblenz: 800 Beschäftigte machen Druck auf die Arbeitgeber
Mit einem Sternmarsch durch das Koblenzer Industriegebiet und einer zentralen Kundgebung haben heute Beschäftigte von ZF, ZF Capri, Novelis, Stabilus, Thales, Kalzip und Deloro Wear Solutions den Auftakt der Warnstreiks in der Region Koblenz gesetzt. Auf der Kundgebung sprachen Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, sowie Jörg Köhlinger, Bezirksleiter, Verhandlungsführer der IG Metall Mitte und zahlreiche betriebliche Aktive.
Hintergrund der Warnstreiks ist das Arbeitgeberangebot in der laufenden Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie. Dieses sieht eine differenzierbare Einmalzahlung von 640 Euro im Juli 2027 sowie eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von lediglich 1,3 Prozent im Juli 2028 vor. Die IG Metall bewertet das Angebot als unzureichend und fordert stattdessen 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütungen sowie Maßnahmen zur Sicherung von Beschäftigung und Standorten, eine Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmenserfolg und eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen.
Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, erklärt: „Die Beschäftigten haben heute ein klares Signal gesendet: Wer täglich Leistung, Flexibilität und Engagement einfordert, muss die Menschen auch fair beteiligen. Das vorgelegte Angebot wird diesem Anspruch nicht gerecht.“
Auch Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, machte deutlich, dass das Arbeitgeberangebot auf einen weiteren Reallohnverlust hinauslaufe und den Erwartungen der Beschäftigten in keiner Weise gerecht werde. „Die Prognosen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitut bieten einen positiveren Ausblick. Die Arbeitgeber wollen davon nichts wissen und sehen die Beschäftigten als reine Kostenfaktoren. Das ‚Minus-Angebot‘ hat in den Belegschaften die Wut darüber noch verstärkt.“ Die Warnstreiks seien deshalb ein notwendiges Signal, um Bewegung in die Verhandlungen zu bringen.
Die Aktionen werden in den kommenden Tagen ausgeweitet. Bereits am Dienstag werden die Beschäftigten der BOMAG GmbH in Boppard und der SCHOTTEL GmbH in Spay und Dörth zu Warnstreiks aufgerufen. Zudem finden bereits heute Abend und in der Nacht weitere Arbeitsniederlegungen bei Novelis, Stabilus, ZF und Deloro Wear Solutions statt. „Der heutige Sternmarsch ist erst der Anfang. Die Beschäftigten in der gesamten Region stehen zusammen und werden den Druck weiter erhöhen, bis ein verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch liegt“, so Yener abschließend. Weitere Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen sind in den kommenden Tagen im Hunsrück, Rhein-Lahn-Kreis und Westerwald geplant. Die IG Metall Koblenz macht damit deutlich: Die Beschäftigten erwarten Bewegung am Verhandlungstisch und sind bereit, ihren Forderungen mit weiteren Aktionen Nachdruck zu verleihen
Kontakt: Ali Yener, Erster Bevollmächtigter IG Metall Koblenz, Stefanie Majer, Politische Sekretärin
Fotos: Godehard Juraschek
IG Metall Koblenz, Sharon Gölden